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Antifaschist*Innen mit Herz und Hirn


Die Jusos Chemnitz sind engagierte Antifaschist*Innen. Der Widerstand gegen die Ewiggestrigen ist oft müßig, uns aber eine Herzensangelegenheit. Zwei Jusos schildern ihre ganz persönliche Motivation und rufen zum Mitmachen auf.


Sandra Göbel, Vorstand, Jusos Chemnitz:

"Ich bin Antifaschistin. Wieso? Muss man die Frage heute, nach fast 70 Jahren gelebter Demokratie, wirklich noch stellen bzw. beantworten?

Es sollte natürlich sein, dass man gegen Rechtsextremismus ist - mir kam nie der Gedanke, dafür zu sein. Schlimm ist, dass wir uns täglich mit diesem braunen Gedankengut beschäftigen müssen. Müssen, weil viel zu viele immer noch meinen, dass diese nationalsozialistische Ideologie Hand und Fuß hätte. Das hat sie aber nicht:

Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die geprägt ist durch Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz, in der Homosexualität als Krankheit zählt, und die das Recht des Stärkeren proklamiert. Andere Länder sind schließlich auch schön, andere Menschen genauso intelligent, interessant und talentiert.
Die Frage ist doch, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen. Deswegen werde ich mich den Rechtsextremem jederzeit in den Weg stellen, sei es auf Demonstrationen, vor rechten Szene-Läden oder im Alltag. Um ihnen zu zeigen, dass in einem modernen und offenen Deutschland kein Platz ist für ihre abstrusen Ideen und politischen Forderungen.

Genau deswegen ist es notwendig sich zu positionieren und sagen: „Ja ich bin gegen Rechtsextremismus und allem was dazugehört!“. Wir dürfen nicht denken, dass es natürlich für Deutschland wäre, allen „Rechten“ die kalte Schulter zu zeigen. Das es nicht so ist verdeutlichen uns Wahlumfragen, Menschen in unserem Umfeld und die jüngsten Medienberichte.

Ich habe einfach keinen Bock mehr auf Nazis!"

Martin Bott, Vorstand, Jusos Chemnitz: 

"Als die NPD ihre Brandstiftertour quer durch Sachsen, vorbei an den Unterkünften von Asylsuchenden, angekündigt hat, waren meine ersten Reaktionen Ekel und Wut. Da wollten sich 20 Jahre nach den rassistischen Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen Nationalist*Innen auf Kosten von Asylbewerber*Innen profilieren.

Aber dann war da ganz schnell noch ein anderes Gefühl, ein „Schon wieder Nazis?" Sollten wir uns jetzt wieder "nur" auf antifaschistische Arbeit konzentrieren? Wegen den paar Landtagsabgeordneten und ihren Mitarbeiter*Innen...

Ja, das mussten und das müssen wir! Weil nach über 180 Todesopfern neonazistischer Gewalt in Deutschland seit 1990 und der Mordserie des NSU (dessen Mitglieder sich ja gerade in Sachsen und besonders Chemnitz wohlfühlen konnten) selbst der und dem Letzten bewusst werden sollte: Rassismus und menschenverachtendes Gedankengut töten! Nazis sind eben kein Problem, bei dem wegschauen und ignorieren hilft, wie es immer noch große Teile der Gesellschaft, der Landesregierung und der sächsischen Behörden zu glauben scheinen. Egal wo und wie Neonazis ihre Ideologie verbreiten wollen, ist es unsere Pflicht ihnen als Demokrat*Innen friedlich, aber entschlossen entgegenzutreten. Und dabei ist es zunächst einmal unbedeutend, ob in einem Fackelmarsch plötzlich die deutsche Geschichte umgedeutet werden soll, oder aber irgendwo ein Laden eröffnet, der sich nach einem rechten Massenmörder benennt und Thor-Steinar-Kleidung verkauft. Unser Protest muss da sein und er muss laut sein. Deshalb müssen wir uns, auch wenn es manchmal schwer ist, engagieren. Deshalb waren wir bei den Protesten gegen die NPD-Sachsentour. 

Deshalb werden wir in Dresden sein und wir werden uns vor allem am 5.März in Chemnitz den Nazis entgegenstellen. Rassismus, Faschismus, Fremdenfeindlichkeit, Chauvinismus - das sind nie einfach nur Meinungen, sondern immer Verbrechen. Wer Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ihrer sexuellen Orientierung abwertet, muss unseren Protest hören. In diesem Sinne freue ich mich auch dieses Jahr auf viele Antifaschist*Innen, die in Chemnitz am 5. März protestieren. Wir werden es den Nazis so ungemütlich wie möglich machen."

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