Freitag, 22. Februar 2013

"RECHTSzuhause" - Hinter den Kulissen der Doku


Chemnitz hat ein Problem mit Rechten Strukturen. Das ist kein Geheimnis. Und doch scheint das Problem für viele Menschen nicht greifbar - vielleicht auch als zu "Normal", um ihm besondere Bedeutung beizumessen. Acht Studenten von der Hochschule Mittweida machten es sich deswegen zum Ziel, mit einer Dokumentation eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und zu sensibilisieren. Diesem Ziel fühlten sich die Jusos Chemnitz verbunden und wurden Kooperationspartner.
Samantha und Max, zwei dieser Filmemacher, schildern ihre Eindrücke und zollen allen Aktiven respekt:

Inzwischen ist die Spannung wieder von uns abgefallen, in dem WG-Zimmer, in dem wir gerade über die frischen Eindrücke der Premiere sprechen. Dabei feierte der Dokumentarfilm "RECHTSzuhause", den wir zusammen mit acht Kommilitonen im letzten Jahr produziert haben, erst Premiere. Die "Freie Rechte" hatte angekündigt zu diesem Ereignis mobil zu machen. Deswegen abzusagen, kam aber nicht in Frage. Wir lassen uns nicht klein kriegen - zogen aber mit unserer Premiere aus Rücksicht auf weitere Veranstaltungen im "Tietz" kurzerhand ins Gewerkschaftshaus. Zur Filmvorführung waren Mitstreiter, Bürger und Pressevertreter gekommen.
Dabei ist es gefühlt noch gar nicht so lange her, seit uns Tim Jungmittag im Namen des "Bündnisses Bunter Brühl" fragte, ob wir Interesse hätten, einen Dokumentarfilm über die Rechte Szene in Chemnitz zu drehen. Wir zögerten nicht lange und gaben uns gemeinsam mit Tim auf die Suche nach Unterstützern und Partnern, um das Projekt realisieren zu können. Nach vielen Gesprächen und regem Email-Verkehr konnten wir die "IG Metall" als Auftraggeber gewinnen. 
Nachdem unser komplettes Team fest stand, mussten wir uns erst einmal einen Überblick der bisherigen rechten Aktivitäten in Chemnitz verschaffen. Die Recherchezeit begann intensiv Ende Mai 2012. Dazu tauschten wir uns mit verschiedenartigen Initativen und Organisationen aus, deren Alltag gegen rechtsextremen Gedankengut vorzugehen besteht. Außerdem trafen wir uns regelmäßig zu "Filmabenden" an denen wir uns bestehende Dokumentationen zum Thema anschauten. Der nächtliche Heimweg an solchen Tagen war dabei immer von einem mulmigen Gefühl begleitet. Parallel recherchierten wir innerhalb unseres Redaktionsteams täglich auf neonazistischen Webseiten, Blogs und Social Media Plattformen. Dazu hatten wir Kontakt mit einem verdeckten Journalist, von dem wir interne Informationen und Material über die Problematik erhalten haben. Er war wohl die größte Unterstützung dabei, einen Überblick über vereinzelte Gruppierungen in der Stadt zu erhalten.

Während der Produktionsphase haben wir uns bewusst bedeckt gehalten, um ungehindert recherchieren und drehen zu können. Angst hatten wir dabei nicht, aber wir gingen immer vorsichtig vor. Besonders nach der zufälligen Begegnung mit dem "Backstreet Noise" Besitzer Hendrik Lasch, der auf uns zu kam als wir Schnittbilder von dem Gebäudekomplex machten. Als er erfuhr wofür die Bilder sind, versuchte er uns einzuschüchtern damit wir nicht weiter drehen.

Die Arbeit an dem Film illustriert, dass neonazistische Verankerungen in Chemnitz sehr vielseitig auftauchen, öffentlich aber auch verdeckt. Insgesamt verhalten sich Vertreter der Rechten Szene oft ruhiger als in Städten, wie Leipzig und Dresden. Es gibt klare Unterscheidungen zwischen Vertretern, die auf der Straße zu sehen sind und Handlanger, die im Hintergrund die Fäden ziehen. Es wäre ein Fehler, Rechte Vertreter, wie die "NS-Boys" mit der "NPD" oder "PRO Chemnitz" gleichzusetzen. Aber alle sind zum Teil ideologisch miteinander vernetzt und vertreten auf ihre Art eine rechte Meinung.

Im Laufe des Projektes haben wir bemerkt, wie viele Leute sich gegen Rechts engagieren aber, dass sie in der Gesamtheit doch nur ein Bruchteil der Gesellschaft sind. Deswegen ist es wichtig, dass alle Engagierten zusammen finden. So unterschiedlich unsere Ansichten im Detail auch sind: wir sind alle gegen Rechtes Gedankengut. Das sollte zählen. Deshalb hoffen wir, mit unserem Film einen kleinen Beitrag zur Aktivierung einer breiteren Öffentlichkeit zu leisten und einige für eine Teilnahme am 5. März zu gewinnen.

Übrigens:
In Kürze wird es die Möglichkeit geben, den Film "RECHTSzuhause" bei den Jusos Chemnitz auszuleihen. Schreibt uns einfach, oder kommt zu einem unserer Treffen vorbei.  

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