Freitag, 1. März 2013

Kinder erwünscht!?


(Foto: Diana Richter)


Die ehemalige Chemnitzer Jusovorsitzende, Diana Richter, ist seit 2003 im Landesvorstand der SPD Sachsen. Dort musste sie feststellen, dass auch in unserer eigenen Partei die Vereinbarkeit von Familie und Parteiarbeit noch keine Selbstverständlichkeit ist. Diana schreibt, wie die SPD Sachsen inzwischen ein Vorbild für andere Landesverbände wurde.

Seit mittlerweile 14 Jahren bin ich Mitglied bei den Jusos und der SPD. Damals war ich 18 Jahre alt und begann mein Studium an der TU Chemnitz. Von Beginn an nahm ich an vielen Sitzungen und Veranstaltungen, die das Parteileben so bereithält, teil. Egal ob das wöchentliche Jusotreffen in Chemnitz oder Delegiertenkongresse waren. Letztere dauerten auch gern mal zwei bis vier Tage. Zeit dafür war bei mir immer da. 2005 änderte sich das allerdings. Mein Freund, der ebenso politisch aktiv ist, und ich bekamen ein Kind. Plötzlich war ich gar nicht mehr so flexibel, am Parteileben teilzunehmen. Am Anfang nahm ich unser Baby einfach immer mit; meist schlief er ja. Die lockere Atmosphäre der Jusotreffen in Chemnitz machte es möglich.  
Bei Gremiensitzungen auf SPD-Landesebene sah das dann schon anderes aus, wie ich schnell feststellen musste. Seit 2003 gehörte ich dem Landesparteirat, dann dem Landesvorstand an. Beide Gremien treffen sich in der Regel in Dresden. Ich fragte zaghaft an, ob eine Kinderbetreuung möglich sei. Die Reaktion darauf ließ vermuten, dass ich gerade "Wunder was" verlangte. Die Konsequenz für mich hieß: Simon musste mit zur Sitzung. Nur: Das kam bei vielen anderen Genossen nicht wirklich an.
Aufgrund meines beharrlichen Nachfragens wurde bereits ab der nächsten Sitzung eine Kinderbetreuung gestellt. Eins aber blieb: Eine Selbstverständlichkeit war die Organisation einer Kinderbetreuung für die anderen Genossen leider nicht. Ich musste immer wieder nachfragen und mich somit ein stückweit selbst um die Kinderbetreuung kümmern.
Auf einer Wahlveranstaltung der Bundes-SPD, die ich mit Kinderwagen besuchte, wurde ich mal gefragt, ob ich sicher sei, hier richtig zu sein, schließlich würde es hier ja gleich eine Podiumsdiskussion geben. Ich sagte einfach nur JA und schob mich an dem Einlasspersonal vorbei. 
2006 stellte der Chemnitzer Unterbezirk und die Jusos auf einem SPD-Landesparteitag einen Antrag, um Vereinbarkeit von Familie und Parteiarbeit sicherstellen. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Fortan musste niemand mehr nach der Möglichkeit einer Kinderbetreuung anfragen. Inzwischen ist der Weg andersherum: die Partei fragt alle, ob Kinderbetreuung gewünscht ist. In der SPD Sachsen wird seitdem bei jeder Gremiensitzung oder größeren Events wie z.B. dem Tag des Ortsvereins oder Parteitagen eine Betreuung für die Kleinsten angeboten.Bundesweit war das in der Partei ein Novum. Viele Landesverbände beneiden uns bis heute darum. 

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