Samstag, 16. März 2013

Post aus Uganda II


Felix Dümcke ist zurzeit in Uganda, wo er im letzten Jahr einen Freiwilligendienst absolviert hat. Nun besucht er dort Freund*innen und Bekannte. Nachdem er uns bereits letzte Woche einige seiner Erfahrungen geschildert hat, folgt nun ein zweiter Bericht.

Jetzt ist die Hälfte meines Urlaubs schon fast um. Seit der letzten Post aus Uganda habe ich viel erlebt. Den einen Tag nahm ich an dem Zwischenseminar der jetzigen Freiwilligen teil, die, wie ich vor anderthalb Jahren, vom BMZ die Chance bekamen, in Uganda zu leben und das Land kennenzulernen. Anders als bei den Zwischenseminaren der Gruppen, die vor meiner Generation hier einen Freiwilligendienst absolvierten, liegt der Fokus nun auf der Selbstkritik. Mit Selbstkritik meine ich Kritik an dem Freiwilligendienst, Kritik an dem, was wir hier machen und Kritik am „weißen“ Verhalten, das uns größtenteils gar nicht, den Ugander*innen jedoch permanent, bewusst ist. „Weiß sein“ muss von uns deshalb als etwas wahrgenommen werden, das mit enormen Privilegien und Macht einhergeht und darf unter uns nicht länger als bloß eine unbedeutende Farbe rezipiert werden. Erst dann kann etwas an den Missständen verändert werden. Natürlich möchte ich in meinem Bericht nicht nur meckern, sondern auch von meinen Erlebnissen berichten. Mittlerweile wissen fast alle, mit denen ich in dem Jahr, in dem ich hier lebte, zu tun hatte, dass ich wieder im Lande bin, weshalb es bis jetzt fast keinen Abend gab, an dem ich nicht ausging. Es gibt in Entebbe sehr viele Möglichkeiten, abends wegzugehen. Viel mehr als in deutschen Städten. An nahezu jeder Ecke gibt es wenigstens eine kleine Bar, in der man sich niederlassen und oft auch Billard spielen kann. Langweilig wird einem hier jedenfalls nicht. So ist es auch kein Wunder, dass ich noch nicht begonnen habe, meine Hausarbeit zu schreiben. Da ich aber über das Versagen der UN beim Völkermord in Rwanda schreibe, konnten mir einige Freunde bei der Recherche helfen. Robert, mein ugandischer Vater, hat in Rwanda studiert und kennt sich blendend mit der Materie aus. Auch Moses, ein guter Freund von mir, schilderte mir bei einem Drink seine Sichtweise. Später kamen wir auf das westliche Verhalten im globalen Kontext und das Betragen von „Weißen“ in Afrika zu sprechen. Moses war der festen Überzeugung, dass sich der Genozid von Rwanda in zehn Jahren in Uganda wiederholen wird. Diesmal allerdings gegen Menschen aus dem Westen, gegen Weiße. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das der Fall sein wird, weil ich bisher fast immer super herzlich von den Ugander*innen behandelt wurde. Trotzdem würde ich es bei all der Arroganz, die wir an den Tag legen, in irgendeiner Weise verstehen. Nach all den Gesprächen, die ich in den letzten zwei Wochen mit Freunden führte, ärgere ich mich, dass ich mit ihnen nicht früher über diese Themen gesprochen habe. Solche Unterhaltungen können einem wahrlich die Augen öffnen. Nun aber weiter im Takt. Am Montag fuhr ich mit Trina, der Betreuerin der Freiwilligen in Uganda, und Johannes, der in Deutschland für den Verein zuständig ist, nach Masaka, um ein Projekt zu besichtigen, das zwei Ugander, Mathias und Henry, leiten und mit unserer Organisation eine Partnerschaft unterhält. Es war ein sehr spannender und langer Tag. Gestern sah ich unserem Schulteam beim Fußballspielen zu und fuhr dann mit einigen Freunden in ein Fischersdorf am Rande Entebbes, um dort ein paar Viktoriabarsche zu verputzen. Gesättigt fuhren wir dann an den Strand, wo wir den Leuten beim Baden zusahen und die Abendstunden genossen. Heute werde ich zusammen mit Lea, einer Freiwilligen aus meiner Generation, die auch gerade hier zu Besuch ist und ihrem Freund, Moze, Leas ehem. Gastfamilie und dann die Grundschule, an der wir zusammen unterrichten durften, besuchen.
Bis zum nächsten Mal, 
Felix

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