Donnerstag, 28. März 2013

Post aus Uganda III

Felix Dümcke ist zurzeit in Uganda, wo er im letzten Jahr einen Freiwilligendienst absolviert hat. Nun besucht er dort Freund*innen und Bekannte. In seiner dritten und damit letzten Woche bringt er seine Kritik der weißen priviligiertheit nochmals auf den Punkt bringt.

Mein Urlaub ist nun fast zu Ende.
Donnerstag um 5:20 geht mein Flieger zurück ins kalte Deutschland. Nach knapp einem Monat ugandischer Wärme lässt sich das aber hoffentlich besser ertragen. Ich bin jedenfalls froh, mich dazu entschieden zu haben, meine Semesterferien hier zu verbringen. Besonders meine Beziehung zu meinem ehem. Gastvater (aber auch zu einigen anderen Freunden) hat sich in den letzten drei Wochen intensiviert. Es ist unglaublich schade, die meisten von ihnen höchst wahrscheinlich nie in Deutschland antreffen zu können. In unserer Welt ist es nun mal nur uns Privilegierten mit einem Pass, der andere Menschen nicht misstrauisch werden lässt, gestattet, sich auf dem Globus frei zu bewegen – und wir setzen alles daran, es dabei zu belassen.  
Und schon bin ich wieder da angelangt, worüber ich mich bereits in den letzten beiden Berichten beschwert habe: Die von uns geschaffene Diskrepanz zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden. Verschärft gesagt zwischen Weißen und Andersfarbigen.
Ich erhielt nach meinem zweiten Bericht die Frage, was weißes Verhalten genau bedeutet und ich wünschte, ich könnte das in ein paar Zeilen schildern. Ich glaube aber, dass es nicht verständlich genug wird. Man muss vielleicht selbst in einem Land des globalen Südens gelebt haben, um zu verstehen, was es heißt, weiß zu sein. Ich nenne weißes Verhalten all jenes Verhalten, mit dem wir unsere Privilegien und unsere Macht nach außen tragen und schamlos ausnutzen. In Entebbe, der Stadt, in der ich ein Jahr lebte und nun Urlaub mache, ist es sehr gut zu sehen. Typen, die für die VN tätig sind, Touristen u.a., die die Prostitution junger Frauen anheizen und die Mädels mit diesem „leicht verdienten“ Geld in eine nicht zu unterschätzende Abhängigkeit von Weißen setzen; „Entwicklungshelfer“ (wie auch ich mich schimpfen durfte), die hierher kommen und mit der Arroganz, die so typisch für uns Menschen aus dem globalen Norden ist, meinen, anderen ihre Pläne (die übrigens meistens den „Helfern“ mehr helfen als den „Geholfenen“) aufdrücken zu müssen – das „weiße Verhalten“ ist allgegenwärtig und bestimmt schon lange das Weltgeschehen. Afrikaner wie James Shikwati, Andrew Mwenda oder Unbekannte aus meinem Freundeskreis, die der „Entwicklungszusammenarbeit“ äußerst kritisch gegenüberstehen, haben kaum eine Chance, von denen, die in den USA, in Deutschland oder sonst wo die Pläne für Afrika schmieden, in den Entscheidungsprozess mit einbezogen zu werden. Warum sollten wir auch auf sie hören? Wir haben schließlich Bücher über die sog. Entwicklungsländer gelesen und sehen im Fernseher, wie es um diese Länder bestellt ist. 
Wir sitzen auf der Spitze des Weltgeschehens und haben ein komplett verdrehtes und falsches Bild von der Welt, die wir leiten. Das wollen wir gutherzige Menschen aber nicht hören. Wir haben ja (angeblich) kein Brett vor dem Kopf. Natürlich ist es für uns irrelevant, welche Hautfarbe jemand trägt und welcher Herkunft jemand ist. Doch genau das ist es nicht. Die Psychologin Ursula Wachendorfer schreibt dazu z.B., dass Weiß – Sein ein Ort struktureller Vorteile und Privilegien ist, dass aber unsere Privilegien von uns nicht als solche, sondern als Selbstverständlichkeit, als Normalität wahrgenommen werden.
Damit muss Schluss sein. Wir dürfen nicht mehr so tun, als ob wir in einer rosaroten Welt leben, in der alle die gleichen Chancen haben und es nicht darauf ankommt, wo man herkommt. Das sage ich nicht, um uns von anderen abzugrenzen, sondern um ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, worauf sich unsere Vorteile stützen und wie wir mit ihnen umgehen.

VlG und schöne Ostertage,
Felix

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