Mittwoch, 3. April 2013

Kommentar: Die Sache mit dem Schild...

(Foto: Jusos Chemnitz)

Das "Bündnis Bunter Brühl" engagiert sich seit mehr als einem Jahr gegen Rechte Strukturen in Chemnitz. Anlass war damals, im März 2012, die Eröffnung eines "Thor Steinar" Ladens auf dem Brühl. Die Marke ist in der Rechten Szene überaus beliebt und gilt als Erkennungszeichen. Der Name des Geschäfts ging damals um die Welt: "Brevik", fast so, wie der Norwegische Massenmörder.
Die Protestaktionen und -mittel sorgen immer wieder für Gesprächsstoff. Nicht zum ersten mal wurde jetzt ein Protestschild entwendet.

Mit dem Schild ist das so eine Sache. Du stellst es auf und freust dich über alle, die kommen und den Protest damit wertschätzen. Ein-zwei neue Gesichter sind immer schön. Viele kennst du aber in aller Regel schon. Das ist nicht schlimm, aber am Ende des Tages bleibt immer die Frage, wie wir allen vermitteln, was wir wollen.

Viele Kund*innen bestreiten natürlich die politische Aussage, die sie durch die Kleidung treffen. Dabei spricht nicht besonders viel für die Marke mit dem nordischen Namen. Über Geschmack lässt sich streiten. Nicht aber über geschmacklose, provokative Anleihen am Rande der Rechtmäßigkeit. Nein, glauben kann ich nicht, dass jemand so dumm ist, unbewusst dort zu kaufen.

Und dann sind da noch die, die täglich vorbei gehen. Die meisten von Ihnen haben was gegen Nazis, aber wo der "Thor Steinar" Laden jetzt war - wer weiß das schon so genau...
Die Schilder schaffen Fakten, für alle die, die es nicht so genau wissen, nicht so genau wissen wollen oder nur so tun, als wüssten sie es nicht. "Geöffnet von 1933 bis 1945" steht da. Hier kaufen die Ewiggestrigen, die nichts aus der Geschichte gelernt haben, gerne ihre Erkennungszeichen ein.  

Dass den Betreibern das Ganze ein Dorn im Auge ist, verwundert wenig. So ist nun auch schon das zweite Schild entwendet worden. Ein Schelm, wer darin einen Zusammenhang erkennen will. Anzeige gegen Unbekannt. Genau, wie nach dem ersten Diebstahl oder als eines unserer Schilder im Stadtteil Kappel beschmiert wurde.

Ein bisschen freue ich mich darüber sogar. Getroffene Hunde bellen. Wer stehlen muss hat ganz offensichtlich keine Sachargumente. Das wird mit jeder derartigen Pressemeldung mehr Menschen klar.



von Tim Jungmittag

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