Donnerstag, 2. Mai 2013

Kommentar: Es muss uns um gute Arbeit gehen.

(Foto: Jusos Chemnitz)


Der Tag der Arbeit ist jedes Jahr für Gewerkschaften und Parteien Anlass, Flagge zu zeigen. Flagge zeigen - vielmehr ist es oft nicht, denn die Anwesenden sind größten Teils ihre eigenen Mitglieder. Dabei treibt das Thema Arbeit unsere Gesellschaft um, wie kein Zweites.

Das passt doch nicht zusammen. Während Millionen Menschen am Ende des Monats trotz Arbeit noch "aufstocken" müssen, ist der Tag der Arbeit - ein Tag mit Tradition und Symbolkraft für die Rechte der ArbeitnehmerInnen - viel Selbstzweck und ein bisschen mediale Berichterstattung.

Wie kann es sein, dass ArbeitgeberInnen ein Geschäftsmodell vorlegen, dass nur dadurch rentabel ist, dass keine auskömmlichen Löhne und Gehälter gezahlt werden? Was hat das noch mit der Würde des Menschen zu tun, wenn Leistung nicht gewürdigt wird - wenn der Staat Almosen verteilen muss, damit seine BürgerInnen nicht verhungern. Die Botschaft: Gespart wird am Menschen.
Dabei könnte Arbeit so viel mehr sein. Eine Sinn-stiftende Tätigkeit, die Respekt abfordert. Gerecht verteilte Arbeit könnte zu mehr Wohlstand führen. Die steigende Effektivität der Arbeitsprozesse sollte den Arbeitnehmern mehr Freiräume zur individuellen Entwicklung zurück geben und Familie und Beruf vereinbar machen. Alles graue Theorie?

Traurige Wahrheit ist doch, dass unsere Regierung die ArbeitnehmerInnen verhöhnt. Eine "Lohnuntergrenze" ( = Mindestlohn, darf aber nicht so heißen, weil das ja schon die Opposition fordert) halten Kanzlerin und Bundesarbeitsministerin zwar für sinnvoll, ja notwendig. Aber kümmern wollen sie sich nicht darum. Das sollen mal die Gewerkschaften machen. Dabei ignorieren die Christdemokraten (das sind die, die für sowas, wie Nächstenliebe, stehen wollten) die Schwäche der Gewerkschaften in großen Teilen der neuen Bundesländer. Ich nenne das Perversion! Den ArbeitnehmerInnen zu sagen, dass etwas für sie getan werden müsste und dann die Verantwortung von sich zu weisen. Unsere Bundesregierung könnte Abhilfe schaffen, wenn sie es denn wirklich wöllte.

Die Sächsische Landesregierung setzt dem aber noch die Krone auf: "Wie, niedrige Löhne und Gehälter sind ein Problem? Billige Arbeitskräfte sind doch ein Standortfaktor für Unternehmen! Ja und wenn alle Arbeit haben, ist allen geholfen." Die Menschen haben in diesem Weltbild nur einen Platz als Lakaien der Wirtschaft.

An der jetzigen Situation hat Harz IV seinen unbestreitbaren Anteil. Diese Schuldzuweisung wird uns aber nicht weiter bringen. Unsere jetzige Regierung bietet keine Antworten auf die Fragen, die uns bewegen. Die klare Alternative heißt flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn. Dabei sind 8,50 Euro keine Sozialromantik, sondern das absolute Mindestmaß. Es darf uns nicht mehr nur um Arbeit gehen. Es muss uns um gute Arbeit gehen. Wenn schon nicht am 1. Mai, dann wenigstens am 22. September.



von Tim Jungmittag

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