Freitag, 10. Mai 2013

Kommentar: Meine Sicht zur Bundeswehr


Sandra Göbels Vater war 25 Jahre lang bei der Bundeswehr. Von zu Hause kennt sie die Geschichten von Auslandseinsätzen, von der Motivation der SoldatInnen und von traumatisierten Frauen und Männern. Neben all der berechtigten Kritik fordert sie eine differenziertere Auseinandersetzung, mehr Verständnis und mehr Respekt.

Es  geht mir nicht darum die Positionen der Jusos zu verdeutlichen, sondern vielmehr meine Sicht näher zu bringen. Sicherlich, wird die Bundeswehr überall kontrovers diskutiert. Das ist auch richtig und gut so. Mir war und ist aber schon immer wichtig gewesen, nicht nur die Bundeswehr im Ganzen, sondern auch die Personen hinter dem Konstrukt zu sehen und zu verstehen. Dass ich über SoldatInnen, die Bundeswehr im Allgemeinen und deren Angehörige anders als die meisten anderen Jusos denke, hängt mit meinem familiären Hintergrund zusammen.

Mein Vater war mehr als 25 Jahre bei der Bundeswehr. Das bedeutet unzählige deutschlandweite Lehrgänge und Auslandseinsätze. Zeit, die er nicht mit seiner Familie verbringen konnte, weil er es für wichtig erachtete, dem Land etwas zurück zugeben, in dem er lebt. Er und viele andere verrichten ihren Dienst aus Überzeugung und dem Willen ihrem Vaterland zu dienen. Was für einige BürgerInnen ein purer Dienst an der Waffe ist, ist für sie viel mehr, nämlich ein Dienst für Deutschland. Aus ihrer Sicht helfen sie dem Land und der Gemeinschaft, betrachten Auslandseinsätze aber durchaus auch kritisch. Letztendlich wollen wir doch auch, dass es unserem Land und den Menschen besser geht. Aus diesem Grund streiten wir schon seit Jahren für unsere Ideale. All jene Frauen und Männer gehen sogar soweit, dass sie ihr Leben für uns und den Menschen im Einsatzgebiet aufs Spiel setzen würden. 

Das ist, egal wie man zum Konstrukt der Bundeswehr steht, eine Einstellung, die allgemeinen Respekt verdient. Respekt und Dankbarkeit, die man die Soldatinnen und Soldaten, sowie deren Angehörigen ruhig einmal spüren lassen kann. Viel zu oft höre ich hingegen Aussagen, wie "Die gehen ja nur des Geldes wegen in den Einsatz" oder "Die machen doch dort unten gar nichts". Das stört mich. Natürlich haben wir alle nur einen eingeschränkten Zugang zu Informationen die Bundeswehr betreffend bzw. konkret zu den Auslandseinsätzen. Verantwortlich dafür sind verschiedene Akteure. Ich könnte anfangen mit der Regierung, die viel zu wenig preis gibt oder den Medien, die das Thema scheinbar nur für titeltauglich halten, wenn wieder ein deutscher Soldat gefallen ist. 

Wenn wir mehr über die ganze Problematik wüssten, dann würden wir über Frauen und Männer sprechen, die teilweise einen Auslandseinsatz nach dem nächsten machen. Nicht wegen des Geldes, sondern weil sie oft nicht mehr ins "normale" Leben zurückkehren können. Ich habe oft genug erlebt, dass SoldatInnen zurück kamen und berichteten, wie wenig ihre Arbeit geschätzt wird, sie sich unverstanden fühlen. Die große Frage ist, wie gehe ich mit diesen, meist körperlich und geistig verletzten Männern und Frauen als Gesellschaft um. Wir müssen unseren Anspruch auf eine differenzierte Diskussion gesellschaftlicher Themen endlich ernst nehmen. 



von Sandra Göbel

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