Samstag, 25. Mai 2013

Kommentar: Widersprüchlich, Kurios und Sinnbefreit

(Foto: Jusos Chemnitz)

In Chemnitz wurde in den letzten Wochen so ziemlich jede Laterne bestiegen. Meist mehrfach. Und jeder hat etwas da gelassen. Und so starren sie uns in jeder Straße an...
Es ist Wahlkampf. Zeit für reichlich Widersprüchliches, Kurioses und Sinnbefreites. Und bei dem ein oder anderen Kandidaten beschleicht einen der Eindruck: "Die drei Zeilen auf dem äußerst fragwürdigen Plakat sind alles, was der kann."

Na klar, alles Geschmackssache. Und natürlich habe ich die "rote Brille" auf und kämpfe für Barbara Ludwig...
...aber was die Herren Burghart und Weis so machen ist schon sehr mutig und zeugt von einer ganzen Menge Selbstironie. Sicher hat der "liberale" mit seinen Plakaten konsequent eine ganze Menge Geld gespart. Schlechte Wortwitze, wie "Jens Weis, was Chemnitz (b)raucht" traue ich zumindest keiner Agentur zu. 

Herr Burghart hingegen hat richtig Geld in die Hand genommen. So dürfen wir nun überall in der Stadt sehen, wie sein Sohn ihn gruselig aus dem Augenwinkel anguckt. Die bekannte Werbeagentur Zebra, die engagiert wurde, hat nämlich ihre Hausaufgaben gemacht. Die Experten Wissen: Kinder ziehen immer. Gut, dass der Kandidat sich nicht zu schade ist, seine Kinder in orange Shirts zu stecken und über Volksfeste zu jagen. So geht die Strategie voll auf!
Die Darstellung seiner Person hat mit der Wahrheit nur bedingt zu tun. CDU Kandidat ist er immer nur, dann, wenn es ihm nützt. Mit der Sächsischen Regierung will er nichts zu tun haben. Die sparen nämlich an den Lehrern. Mit dem Stadtrat ist das auch so eine Sache. Die versuchen nämlich sachlich anstatt populistisch zu arbeiten. Die Straßenbahnlinie auf der Reichenhainer Straße ist nur ein Beispiel für solche lokalpolitischen Ungereimtheiten. 

Burghart wird zudem nicht müde, seine Erfahrung in der Führung großer Verwaltungen zu betonen. Schließlich ist er Mitglied der Geschäftsleitung der Landesagentur für Arbeit Sachsen. Immer schön mit Positionen hausieren. Leider bleiben Fragen, zur Befristung oder zu einer fairen Entlohnung der vermittelten Arbeit offen. Ja nicht ins Detail gehen. Soll ihm ja keiner Nachsagen, dass er schlechte Arbeit leistet. Manche nennen auch Erfahrung, was sie jahrelang falsch gemacht haben.

Die Antwort auf komplexe Fragen ist für den Privatmann, als der er gesehen werden will, ganz einfach: Das wurde alles verschlafen, da muss man jetzt eine Prioritätenliste machen und die Verwaltungssarbeit optimieren. Optimieren ist gut gesagt. Die Stadt hat bereits die Streichung von 600 Stellen in der Verwaltung beschlossen. Wenn Burghart da mal nicht noch ungeahnte Potentiale findet...

Sicher kann man nicht auf alles eine Antwort haben. Kein Thema. Dank äußerster Kreativität denken wir uns dann einfach eine kuriose Geschichte aus. 
Wie ist denn das mit dem Lärmschutz am Südring? Warum werden denn da keine Schallschutzmauern gebaut? Na weil da Lobbygruppen am Werk sind! Wer hat noch nicht von der Lobbygruppe "freie Sicht für Autofahrer auf dem Südring" gehört? Das hat die Stadt verschlafen, da muss man eine Prioritätenliste machen und die Verwaltung optimieren! 

Burgharts Liste. Ihr Problem steht drauf, da können Sie sich sicher sein. Ob es gelöst wird? Wohl eher nicht. Komplexe Probleme brauchen komplexe Antworten und die hat der Kandidat nicht. Da lob ich mir meinen Jens Weis. Der nimmt sich selbst wenigstens nicht so ernst.



von Tim Jungmittag


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