Freitag, 17. Mai 2013

Wenn Flaggezeigen doppelt wichtig ist

(Foto: Jusos Chemnitz)


Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo- und Transphobie schreibt uns der Gleichstellungsbeauftragte der Jusos Sachsen, Sebastian Storz. Dabei mahnt er die Jusos an, eigene Berührungsängste weiter abzubauen und besonders im Wahljahr offensiv für die Rechte von Homo- und Transsexuellen einzutreten.

Der International Day Against Homo- and Transphobia, kurz IDAHO, ist der Tag im Jahr, der uns aufzeigen soll, dass es immer noch Ewig-Gestrige gibt, die mit großer Leidenschaft gegen queere Menschen kämpfen. Man möchte meinen, diesen Blog-Artikel braucht es nicht, da er doch vorrangig durch Jusos gelesen wird und die sind doch aufgeklärt. Ja, das mag für die große Mehrheit zutreffen, doch Berührungsängste bleiben, denke ich, doch an der ein oder anderen Stelle. Gerade bei Menschen, die sich nicht eindeutig männlich oder weiblich verorten können oder wollen, stelle ich Unsicherheiten fest. An der Stelle sei uns Jusos geraten, neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und immer den nötigen Respekt zeigen.

Ich bin aber fest überzeugt, dass es den IDAHO nicht unseretwegen gibt. Es gibt ihn wegen einer Vielzahl von Menschen, Vereinen und Institutionen, die meinen die Lesben heilen zu wollen, Schwule zum Priesterseminar schicken oder den_die Transsexuelle verpflichten, sich für ein Geschlecht zu entscheiden. Prominent genannt seien an dieser Stelle Erika Steinbach, Norbert Geis oder Teile verschiedenster Religionsgemeinschaften.

Symbolik spielt im Kampf um Gleichberechtigung seit jeher eine wichtige Rolle. Eines dieser Symbole sind Tage für oder gegen etwas. Darin reiht sich der IDAHO ein. Öffentlichkeit spielt dabei eine wichtige Rolle, um mehr und andere Leute zu erreichen, als diejenigen, die man sonst erreicht. Oftmals lässt man Luftballons steigen, hält Händchen oder küsst Menschen des gleichen Geschlechts.


Oft diskutiert und doch kein Fortschritt


Worum geht's denn aber noch? Es geht leider immer noch um steuerliche Gleichstellung, um Adoptionsrecht, Möglichkeit der In-Vitro-Fertilisation, Erneuerung des Transsexuellengesetzes. Das sind rechtliche Belange. Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, dass es mit einer rechtlichen Gleichstellung noch lange nicht getan ist. Vorurteile werden früh kutliviert und brauchen lange bevor sie wieder abgebaut sind. Leider viel zu häufig gelingt dies nur unzureichend. Das ist einer, wenn nicht der Grund, warum es nach wie vor, keine geouteten Fußballer gibt. Im Schatten der männlichen Dominanz finden sich glücklicherweise schon eine Menge Fußballerinnen, die ihr Leben selbstbestimmt führen können.

Zurückkommen möchte ich noch einmal auf die schulische Ebene. Einerseits wird schwul schon früh als Schimpfwort gebraucht, andererseits wird seitens der Lehrer_innen wenig gegen die verbalen Ausfälle getan. Es bleibt festzuhalten, dass es kaum Sensibilisierung durch Lehrer_innen und der Lehrer_innen gibt. Sexualitätssensible Lehrbücher bleiben wohl bis auf weiteres (m)ein Traum. Über Sozialpädagog_innen sprechen wir an dieser Stelle nicht mal ansatzweise. An dieser Stelle will ich gern darauf hinweisen, dass wir eigentlich nicht mal ein Fach hätten, in dem wir gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit behandeln. In der Überschrift meinte ich, dass es doppelt wichtig sei Flagge zu zeigen. Das hat natürlich mit dem Wahljahr zu tun. Ich will mich nicht (mehr) damit zufriedengeben, dass eine Partei und ihre Schwester uns alles verbauen, obwohl andere politischen Kräfte und unsere Gesellschaft mehrheitlich schon ein ganzes Stück weiter sind. Die queere Community hat mehr verdient als Angela Merkel und Horst Seehofer. Das müssen wir permanent deutlich machen. 



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