Dienstag, 11. Juni 2013

Klartext für die Wähler_innen

(Foto: Jusos Chemnitz)



Seit seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten der SPD wird über Peer Steinbrück negativ berichtet. Seien es die Vortragshonorare, das Kanzlergehalt oder auch der Clown-Kommentar zu den Wahlen in Italien. Was aber hat Steinbrück eigentlich sonst so in den letzten Monaten gemacht? Hat er sich aus der öffentlichen Berichterstattung zurückgezogen, um den Negativschlagzeilen zu entgehen? David Nikolov, Marc Pähler und weitere Jusos waren zur "Klartext"-Veranstaltung in Dresden und haben sich mit dieser Frage beschäftigt.

Nein, wegducken geht für einen, der Kanzler werden will, nicht. Oder wie Sigmar Gabriel es einmal sagte:

Wir müssen raus ins Leben; da, wo es laut ist; da, wo es brodelt; da wo es manchmal riecht, gelegentlich auch stinkt. Wir müssen dahin, wo es anstrengend ist. Weil nur da, wo es anstrengend ist, da ist das Leben.

Und da war Peer. Von Ende Februar bis Ende Mai hat er eine, von den Medien weniger kommentierte, Länderreise gemacht. Dabei besuchte er quer durch Deutschland Unternehmen, soziale Projekte und viele Bürger. In aller erster Linie Menschen, die sonst keine starke Lobby haben und deshalb nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen bzw. ihre Interessen vertreten sehen. Er hat sich ihre Probleme angehört und darüber ihre Vorstellungen wie die Gesellschaft in Zukunft aussehen soll gesprochen. Also genau das, was man sich unter einem Bürgerdialog vorstellt.

Besucht wurden natürlich ausgesuchte Unternehmen und Projekte. Um aber auch allen anderen Bürger_innen die Möglichkeit zu geben, ihre Fragen zu stellen, wurden „Klartext“-Veranstaltungen durchgeführt. Diese zeichneten sich dadurch aus, dass sie allen offenstanden, ihre Fragen an Peer loszuwerden. Dabei konnte er beweisen, dass er nicht auf den Mund gefallen und außerordentlich offen ist. Die Medien pickten sich jedoch lediglich die Äußerung zur Wahl in Italien heraus. 

"Trauen Sie sich. Lassen Sie es heraus. Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten." 
So oder so ähnlich eröffnet Peer die Veranstaltungen und versprach sich bei seinen Antworten kurz zu halten, um möglichst viele zu Wort kommen zu lassen. Wenn Politiker so etwas versprechen, dann kommen schnell Zweifel auf. Können die sowas überhaupt? In Dresden jedenfalls gelang es ihm einigermaßen. Immerhin. Einige wenige ausschweifendere Antworten konnte er sich dann doch nicht verkneifen. Das ging an der einen oder anderen Stelle leider auf Kosten der Aussagekraft und die Antworten wurden manchmal etwas schwammig.

Bemerkenswert war allerdings das zweite Versprechen,  das er den Gästen zu Beginn der Veranstaltungen gab. Er versprach keine Antwort auf Fragen zu geben, die er nicht beantworten könne. Und das tat er auch. Statt endloser Monologe, die völlig an der Frage vorbei gingen, gab es einen kurzen Hinweis, dass er sich zu der entsprechenden Frage erst informieren müsse. Die Fragen sollten dann jeweils in den Tagen nach der Veranstaltung beantwortet werden.

Insgesamt scheint dieses Format sehr gut geeignet, mit den Wählern ins Gespräch zu kommen und ihnen glaubhaft und authentisch das Wahlprogramm der SPD zu vermitteln. Die Medienwirksamkeit ist zwar eher gering. Das ist aber gut so. Denn in erster Linie sollen die Wähler_innen das Programm der SPD und ihres Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück als glaubhaft empfinden. Die Hoffnung: nicht die Presse wird zum Botschafter der Partei, sondern die Menschen selbst. Abgerechnet wird im September.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen