Sonntag, 23. Juni 2013

Kommentar: Eine Schande für alle Eltern

Der Stadtelternrat ist zu den Oberbürgermeister-Wahlen in Chemnitz aktiv geworden und beweist mit seiner Wahlempfehlung zum wiederholten mal absolute Taktlosigkeit. Vorgestellt und empfohlen wurden lediglich Kandidaten, die das Gremium anlässlich der Wahl aus Eigenantrieb besuchten. Schließlich sei das eine Frage der Wertschätzung. Auftritt Martin Kohlmann, seines Zeichens Rechtspopulist.

Stadtelternrat zu sein ist schon toll. Klingt wichtig und verantwortungsvoll. Und eines will ich den engagierten Eltern nicht absprechen: Sicher sind Sie mit viel Zeit und Herzblut bei der Sache. Schade, dass das scheinbar bei einigen zu einem übersteigerten Ego führt.

Der Vorsitzende des Chemnitzer Stadtelternrates, Oliver Treydel, hatte seinen Titel bereits im April 2013 ausgenutzt, um privaten Überzeugungen Nachdruck zu verleihen. Damals schrieb er der Stadt, er halte die Opernplakate zum Stück "Die Herzogin von Malfi" für jugendgefährdend und drohte mit einem Boykottaufruf.  
Und jetzt das: Nur wer sich dem Gremium anbiedert zeigt auch Wertschätzung. Wertschätzung ist wichtiger als Inhalte. Ein Blick in die Programme aller Oberbürgermeister-Kandidaten ist vollkommen überbewertet. Die über 100 Millionen Euro, die die Stadt unter Barbara Ludwig in den letzten sieben Jahren in Schulen und Kitas investiert hat, zählen offensichtlich nichts. 

Mit Selbstherrlichkeit hebt oder senkt der Vorstand des Stadtelternrates den Daumen. Nicht zum Wohle der Kinder, sondern für Egospielchen. Den Gipfel der Dreistigkeit erklimmt der Rat aber als Steigbügelhalter des Rechtspopulisten Martin Kohlmann. Zwar sei er "der wohl umstrittenste Kandidat" - eine kritische Auseinandersetzung mit den Zielen von ProChemnitz findet aber nicht statt. Stattdessen wird dazu aufgerufen, die Parteizugehörigkeit einmal beiseite zu lassen. Kohlmann nutzt die ihm gegebene Bühne und verspricht den Eltern, was sie für ihre Kleinsten hören wollen. "[M]it seinen Ansichten zum Thema Betreuung und Bildung eckt er definitiv bei uns nicht an." Offenbar legt der Stadtelternrat keinen gesteigerten Wert auf eine demokratische Gesinnung. Wie sonst könnte man einem Rechtspopulisten empfehlen, der seine politische Heimat bei Republikanern, DSU und ProChemnitz hat? Kohlmann will "kriminelle Ausländer", wie er sie nennt, abschieben. Außerdem ist er als Anmelder von Demos bekannt, an denen vor allem Nazis teilnehmen

Dieser Vorstand ist eine Schande für alle Eltern.








von Tim Jungmittag

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