Dienstag, 10. September 2013

Kommentar: Urbanität ist Stille & Friede

Erst durch die Expedition aufs Land konnte unser Genosse Stefan die urbane Stille in Chemnitz zu schätzen lernen. Jetzt betrachtet er Diskussionen, wie die zum Atomino mit einem ganz neuem Blick.

"Jawoll, ich war akut urlaubsreif. Nicht nur, weil es auf Arbeit stressig genug war. Nein, die QuerulantInnen-Fraktion von Chemnitz trieb mir die Sicherungen waagerecht aus dem Kopf. Von der Schließung des Atominos ahnte ich Anfang August noch gar nichts, sonst wäre ich vielleicht geplatzt.
Nein, die Springbrunnendebatte trieb mich um. Hatten es doch AnwohnerInnen des Rosenhofs geschafft, die Laufzeit der Brunnenanlagen drastisch zu verkürzen. Das Plätschern nach 18 Uhr ist ja nicht auszuhalten. Soweit war es also in dieser Stadt gekommen. Gregor Eichhorns Artikel in der Freien Presse hatte das Dilemma dieser Stadt schon passend auf den Punkt gebracht. Der Finger lag so was von in der Wunde und dann setzt die Plätscheraffäre dem Ganzen die Krone auf. Wie gesagt, die Unwetterwolken über dem Atomino waren noch nicht einmal sichtbar.

Zur Erholung und um den ganzen Mist mal zu verdrängen, führte der anschließende Urlaub in ein schön idyllisches Tiroler Bergsteigerdorf. Aber nix war`s. der erste Eindruck war ein Trugschluß. Schon am ersten Morgen – es war der kirchliche Feiertag Mariä Himmelfahrt – war es nicht der Wecker, der den Tag einläutete, sondern eine Kanonensalve nach der Nächsten. Der Marienkult schien also irgendwann im kriegerischen Zeitalter stehen geblieben zu sein. Na gut, Brauchtum halt. Aber dann wurde es schon klar, dass die Lärmbelästigung Methode hatte. Der Dorfbrunnen wurde nämlich nicht mal nach 20 Uhr abgestellt, geschweige denn die Viehtröge. Das wiederum hatte zur Folge, dass die ortsansässigen Kühe und Schafe nicht etwa um 19 Uhr zu Bett gingen, sondern gern noch weitere zwei Stunden an besagten Trögen herumlungerten und muhten respektive blökten. Wahnsinnig machte dann das permanente Rauschen des lokalen Gebirgsbachs, der die ganze Nacht durchmachte.

Machen wir es kurz: Nach wenigen Tagen ging der Krach dermaßen auf den Senkel, dass ich mich nach meinem ruhigen und friedlichen Chemnitz zurück sehnte. Diese Ruhe kann man durchaus zu schätzen lernen.
Recht haben sie, die bedauernswerten AnwohnerInnen der Innenstadt. Verdammt noch mal, ein wenig Ruhe wird man ja wohl noch einfordern dürfen. Vielmehr gehen diese artikulierten Bedürfnisse nicht weit genug. Wie wäre es mit Forderungen nach einer Sperrstunde um 19:30 Uhr in Verbindung mit einer Ausgehsperre nach 20:30 Uhr nachzulegen. Warum nicht?

Unsere Stadt muss als stille Wellnessoase erhalten bleiben! Urbanität steht für Ruhe und Frieden! Wer Krawall und Remmidemmi will, soll doch aufs Dorf ziehen."

Stefan Kraatz

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