Sonntag, 23. März 2014

Europa. Und was hab ich davon?

Wir Deutschen sind Weltmeister im verreisen. Wohl jeder von uns hat schon mal die Nachtbarländer gecheckt, oder ist staunend durch die Hauptstädte unserer Staatengemeinschaft gelaufen. Europa, das ist eigentlich viel mehr als nur der Name für einen Kontinent, auf dem wir zufällig geboren worden sind. Europa hat uns verbunden. Das ist klar. Aber was viel wichtiger ist, dass es Frieden gebracht hat, der nach der vor 70 Jahren noch unmöglich schien.


(Bild: Jusos in der SPD)
Wer die Parteienlandschaft sowohl in Deutschland als auch im Ausland genauer betrachtet, sieht immer mehr Parteien, die auf einem von Medienklischees getriebenen Anti-Euro-Hype fahren. Von Solidarität mit befreundeten Staaten wollen sie nichts wissen, der generelle Tenor lautet meistens: „Vorteile gern, Verpflichtungen nein.“ Doch so läuft Europa nicht. Wer die jüngsten Wahlumfragen sieht könnte denken, dass einige Teile der Bevölkerung sich zu sehr an den Luxus Europäische Union gewöhnt haben, und das Unkraut des Rassismus wieder größere Wurzeln schlägt. Bei vielen Bürger*innen schwindet das Vertrauen. Am 25.05.14 dürfen sie zum 8 mal das Europäische Parlament wählen. Doch dieses mal ist alles anders. Europa steht am Scheideweg zwischen kompromissloser Ökonomie und Solidarität. Viele Menschen vergessen, dass die meisten Bürger*innen der „Pleitestaaten“ nicht verantwortlich sind dafür, dass die Wirtschaft bei ihnen den Bach runtergeht. Das ist doch im Grunde so, als ob man an einer alten Frau auf der Straße, die hingefallen ist, vorbeigeht, mit der Begründung, dass sie noch nie etwas für einen getan hat. 

Worauf ich hinaus will ist, dass besonders Deutschland doch das Land ist, dass am Meisten von einer Gesellschaft im Ausland profitiert, die nicht kaputt gespart wird. Schließlich sind wir von ihrer Kaufkraft abhängig. Ganze 57.01% unserer Waren werden im Europäischen Ausland umgeschlagen. Also wird hier auch unser Wohlstand generiert. Vielen Problemen müssen wir in den nächsten 5 Jahren begegnen, nicht zuletzt der Jugendarbeitslosigkeit in vielen Mitgliedsstaaten.

Für die Sozialdemokratische Parteienfamilie will Martin Schulz das Ruder übernehmen. Mit 91% haben ihn die Delegierten in Rom zu ihrem Spitzenkandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten gewählt. Das besondere an ihm ist, dass er statt Nationalbewusstsein eine Leidenschaft für Europa zeigt. Er lebt ein neues, sozusagen „Europabewusstsein“ vor. Die Probleme innerhalb der Staatengemeinschaft machen ihn persönlich betroffen, weswegen es ihm um ein soziales Europa geht. Das unterscheidet ihn von seinen Kontrahenten.

Als ich selbst vor kurzem Brüssel besucht hab, konnte ich seine Zuversicht und seine Begeisterung auf einen Schlag verstehen. Wenn ihr Brüssel besucht dann fallen euch besonders Abends belebte Gassen auf, in der Menschen sich aus aller Menschen Länder in Bars und auf der Straße begegnen, miteinander feiern, in holprigem Englisch quatschen und trinken. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Europas Schengenraum schafft kulturelle Begegnungsstätten, unsere Währung ökonomischen Fortschritt. Im Herzen unserer Generation ist Europa angekommen. Das hat mir klar gemacht, dass es sich lohnt um Europas Richtung zu kämpfen.

(Foto: Jusos Chemnitz)
Für mich persönlich wird es das erste mal Wahlkampf sein. Um uns alle auf die bewegte Zeit einzustimmen luden die Jusos Chemnitz zu einem europapolitischen Seminar. Hier haben wir uns mit dem Werdegang der EU und den Wahlprogrammen der verschiedenen Parteien auseinandergesetzt. Im Grunde waren alle Typisch: Die FDP warnt vor Ökosozialimus und will alles effizienter machen, die AfD findet sowieso alles blöd, was die EU vorhat, und die CDU will das alles bleibt wie es ist und dass die erfolgreiche Arbeit von FRONTEX fortgesetzt wird, die unsere Grenzen so tapfer verteidigt. Außerdem schafft sie Jugendarbeitslosigkeit ab. Wie wird aber nicht verraten, das soll wohl eine Überraschung werden..^^ Auch die SPD hat natürlich nicht mit schönen Umschreibungen gespart, ich werde mich wohl daran gewöhnen müssen, dass Wahlprogramme in erste Linie eher schön klingen als Inhalt versprechen müssen, damit sich die Wähler*innen angesprochen fühlen, aber mein Geschmack ist das nicht. Die Dolmetscherin Brigitte Sauzay hat einmal gesagt: „Jedesmal, wenn ich die Deutschen über Europa reden höre, habe ich Lust zu weinen. Was gibt es Traurigeres als eine deutsche Rede über Europa? Es gibt darin nichts, was zum Träumen anregte.“. Doch genau das tut Martin Schulz, wenn es um Europa geht. Er träumt, hat Visionen. Ich bin mir sicher, dass das den Unterschied macht.

(Foto: Jusos Sachsen)
Der spannendste Teil für mich war, als wir einen fiktiven Wahlstand aufbauten, und mal ein paar "typischer" Infostandsituationen „durchzuspielen“. Ich scheiterte grandios an meinen verschränkten Arme und meiner Verklemmtheit. Martin glänzte in der Rolle eines so genannten „Give away Sammlers“. Also jemand, der gerne lustige Geschenke wie Kulis oder Frisbees einsteckt, sich für das Programm deiner Partei aber eigentlich nicht so wirklich interessiert.

Ich habe in den letzten Wochen verdammt viel über Europa gelernt. Natürlich läuft vieles schief, aber die Vorteile überwiegen ganz klar. Als ich in Brüssel war, haben wir den örtlichen Sitz der Friedrich Ebert Stiftung besucht. Im Eingangsbereich hängt ein Banner, auf dem Willy Brand abgebildet ist: „Wagt weiter! Ich sage der jungen Generation: Wagt weiter und neu die Wege nach vorn, und lasst Euch nicht abspeisen mit rückwärts gedachten Rezepten. Was wir anstreben, ist eine Gesellschaft, die frei ist von Furcht, mit Hoffnungen und vernünftigen, angemessenen Chancen für die junge Generation, die auf uns Blickt und uns Folgen wird!“ Ich glaube, Martin Schulz ist nicht der erste Sozialdemokrat, der sich mit Leib und Seele für Europa einsetzt. Egal wie schwer es wird: Es lohnt sich! In diesem Sinne: Kämpfen wir für ein Sozial-gerechtes Europa!

Lukas Petersohn

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