Montag, 25. August 2014

Gegen-Kommentar: Nicht genug

Sicher, so ein Schild am Supermarkt, was soll das schon ausrichten? Beeindruckend ist so ein Kleber mit Regeln an der Tür ja nun nicht gerade. Besonders für jemanden, der sowieso den Vorsatz hat die Regeln zu brechen. Vergebene Liebesmühen könnte man das nennen. Zumindest in Bezug darauf, Kriminalität einzudämmen. Aber damit rassistische Ressentiments zu schüren - dieser Vorwurf ist vollkommen überzogen.


Wer sich die oft plumpe rechte Propaganda einmal her nimmt, der wird folgendes Muster wiedererkennen:
"Diese Ausländer wissen es doch gar nicht anders. Bei denen sind doch alle kriminell. Schon allein dieser Koran - der passt mit unserem Rechtssystem gar nicht zusammen. Die passen nicht zu uns. Die passen nicht in unsere Ordnung. Die passen nicht hierher." Eine Argumentation aus vereinfachten, verfälschten und verallgemeinerten Aussagen.

Genau hier leistet das unscheinbare Schild in meinen Augen seinen Beitrag. Es widerspricht den Meckerern, den Verallgemeinerern und Ideologen. Denn es hat eine einfache Aussage. Egal, welcher Glauben. Egal, welche Herkunft. Es gibt Straftaten, die nirgends auf der Welt geduldet werden. Diebstahl ist eine davon.  

Das macht jeden, der klaut, vor allem zu einem. Kriminell. Sich gegen diese Regeln zu wenden ist eine individuelle Entscheidung, kein Automatismus, der sich aus der Herkunft und dem Glauben herleiten lässt. Schwarze Schafe gibt es überall. Auch in Deutschland. Vom Einzelnen auf Andere oder gar alle zu schließen ist unfair, unreflektiert und falsch. Wir dürfen nicht zulassen, dass einige Wenige unsere Einstellung zu Flucht und Asyl so prägen, wie es Populisten gerne wollen.

Ja, das Schild kann nicht für sich stehen. Es hinterfragt nicht, warum Menschen kriminell werden. Warum sich das Problem genau so in Ebersdorf darstellt. Es schweigt zu den vielen Flüchtlingen, die sich nichts zu Schulden kommen lassen obwohl sie ein schweres Schicksal zu tragen haben. Es ist nicht genug. Dazu sind andere Mittel und Wege nötig. Aber es kann ein Symbol sein. Nicht nur für Ausländer, sondern auch für alle Deutschen: Schaut auf das Individuum, auf sein Schicksal, seine Verantwortung und seine Entscheidungen. und dann urteilt. Aber urteilt über das Individuum.


Tim Jungmittag

(Dieser Kommentar ist eine Antwort auf den Kommentar: "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint")

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