Samstag, 6. September 2014

Kommentar: Ja zu Waffenlieferungen in den Irak

Wegen der aktuellen Diskussion zum Thema Waffenlieferungen in den Irak hat sich Max Baran von den Jusos Leipzig im Lupenreinen Demokraten, dem Verbandsorgan der Jusos Sachsen, positioniert. Auch wir diskutieren das Thema kontrovers und versuchen die verschieden Positionen auf unserem Blog darzustellen. Deshalb steht an dieser Stelle noch einmal Max´ Kommentar:
Oh je. Als ich heute morgen bei der Arbeit kurz mal mein Smartphone zückte um zu sehen, was für heißen Gossip meine Facebook-Timelime heute für mich parat haben könnte, stockte mir kurz der Atem, als ich sah, was ich schon länger befürchtet hatte, aber ich noch immer guter Dinge war, dass es doch nicht soweit käme. Die Facebook-Seite der Bundes-Jusos ('Jusos in der SPD' [sic!]) lehnt eine Waffenlieferung in den Irak ab, begründet diese Haltung in drei Absätzen. Ich werde jetzt nicht auf jeden Satz einzeln eingehen können (und wollen), ich möchte viel mehr kritisieren, dass sich die Jusos mit diesem Statement in sehr schwammiges Terrain begeben.
Ehrlich gesagt stößt es mir auch ziemlich sauer auf, wenn hier damit argumentiert wird, die Lage könne sich „schnell weiter destabilisieren“, während die IS, ganz in der muslimischen Tradition der Ablehnung der Jesiden, hier gerade dabei sind, einen „echten“ Völkermord zu begehen. Die Anführungsstriche sind bewusst gewählt, da dieser Begriff immer mal im Diskurs über gewisse andere Konflikte gebraucht wird, wo er mal rein gar nichts zu suchen hat. Aber wer sich noch unsicher ist: Wenn gar Sigmar Gabriel oder die UN einen Genozid fürchten, wenn tagtäglich hunderte jesidische Frauen vergewaltigt und ermordet, die Köpfe von Toten abgeschnitten und aufgestellt werden und rund 50.000 Jesiden bereits in die kurdische Autonomie und selbst nach Syrien (!) geflohen sind, so ist das keine „destabilisierte Lage“ mehr, es ist ein blankes Massaker. Ein Abschlachten einer Volksgruppe, die bei außenstehenden Muslimen früher auch als „Teufelsanbeter“ bezeichnet wurden.  
Wie will man einen friedlichen Konsens mit einer Gruppe erzielen, die bis in die Haarspitzen faschistisch agiert und daraus auch keinen Hehl macht? Kein einziges kurdisches oder jesidisches Leben wird dadurch gerettet, wenn wir hier aus sicherer Entfernung versuchen, einen nicht fassbaren, kaum noch menschlichen Konflikt mit „unseren“ moralischen Maßstäben zu beurteilen. Broder hat mal gesagt, Pazifismus sei Lifestyle, für den andere bezahlen müssen. Man mag zu Broder stehen wie man will, mit diesem Satz hat er aber so sehr recht, dass mich oftmals das leider Bedürfnis ereilt, ihn allen MdB's der Linkspartei auf die Stirn zu tätowieren. 
Man muss sich nur mal ins Gedächtnis rufen, dass Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur weltweit ist und jede noch so menschenverachtende Diktatur wie Saudi-Arabien oder China für entsprechendes Geld vorzüglich ausrüstet. Wenn dann aber mal wirklich Menschen gezielt ausgelöscht und verfolgt werden, darf man denen auf ein Mal gar nichts mehr liefern, um sich auch nur irgendwie verteidigen zu können. Es ist mir ein Rätsel. Und darum hoffe ich, dass die SPD als Regierungspartei das vermeintlich Richtige tut.  
Max Baran

Der Kommentar ist zuerst im Lupenreinem Demokraten, dem Verbandsorgan der Jusos Sachsen erschienen. Das Original findet ihr hier.

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