Sonntag, 29. März 2015

Vorsitzender der SPD-Chemnitz will Kämmerer werden

Im Juni wird in Chemnitz wieder gewählt. Diesmal sind jedoch nicht alle Bürgerinnen und Bürger, sondern lediglich die Stadträtinnen und Stadträte aufgerufen ihre Stimmen abzugeben. Gewählt werden gleich drei von insgesamt vier Bürgermeisterposten: die Kämmerei (Finanzen), der Ordnungsbürgermeister- und der Baubürgermeisterposten. Die Wahl ist deswegen entscheidend, weil die Bürgermeister als Bereichsleiter politische Gestaltungsspielräume haben und die Verwaltung gestalten können. 

Sven Schulze, Vorsitzender der SPD-Chemnitz, Mitglied im Landesvorstand der SPD-Sachsen und zugleich deren Schatzmeister, will sich gegen den CDU-Kandidaten Ralph Burghart durchsetzen und die Kämmerei gewinnen. Wir haben mit Sven gesprochen, ihn zu seinen Motiven, Einschätzungen und Zielen befragt:  


Sven, du bist seit gut 25 Jahren SPD Mitglied. Kannst du uns kurz sagen, aus welchem Grund, mit welcher Motivation du eingetreten bist?

Ich war 17,18 als die Wende kam. Zu der Zeit war ich hochpolitisiert und die SPD und solche Leute wie Schmidt und Brandt haben mich fasziniert. Da wollte ich mit dabei sein. Außerdem war mein Opa ein alter Hamburger Sozialdemokrat. Den letztendlichen Ausschlag hat aber ein Wahlkampfauftritt von Johannes Rau in Chemnitz gegeben.

Seit sieben Jahren bist du inzwischen SPD Vorsitzender in Chemnitz. Möchtest du weitermachen, egal, wie die Wahl ausgeht?

Ich bin jetzt erstmal bis 2016 gewählt und das werde ich in jedem Fall ausfüllen. Danach wird man sehen...
Bisher war Politik für dich "nur" Ehrenamt. Das könnte sich bald ändern. Welche Gedanken verbindest du mit diesem Schritt?

Zunächst: Meine jetzige Arbeit als Prokurist und Bereichsleiter bei enviaM macht mir viel Spaß, Ich habe tolle Mitarbeiter und spannende Aufgaben. Aber Verantwortung zu übernehmen für meine Heimatstadt und an ihrer Zukunft aktiv mitwirken, das reizt mich schon sehr. Und nun gibt es eine gute Möglichkeit dafür. Deshalb sehe ich es als neue Herausforderung, der ich mich gerne stelle. Meine bisherige Berufs- und Lebenserfahrung nehme ich aber ganz positiv mit und will sie auch gern konstruktiv in die neue Aufgabe einbringen.

Sven, kannst du uns eine kurze Einschätzung geben, wie Chemnitz finanziell dasteht und ob der scheidende Kämmerer seine Hausaufgaben gemacht hat?
Ich denke, dass wir eine solide Finanzpolitik haben und dass sich auch schwierige und schmerzliche Entscheidungen, wie z.B. die Sparprogramme, nun auszahlen. Die Stadt hat in den letzten Jahren kontinuierlich Schulden abgebaut. Das eröffnet uns für die Zukunft größere Spielräume und entlastet künftige Generationen. Städtische Finanzen sind aber nie das Ergebnis der Arbeit eines Einzelnen, sondern ein Mix aus guten Rahmenbedingungen, klugen Entscheidungen, Seriösität und Augenmaß.

Wie sieht für dich eine sozialdemokratische Finanzpolitik aus?
Ziel einer kommunalen Finanzpolitik muss es sein, dass wir nicht in einer Mangelwirtschaft leben, sondern uns Gestaltungsspielräume schaffen um kommunale Ziele umsetzen zu können. Das ist auch mein Anspruch. Wenn das als sozialdemokratisch gilt, umso besser.
Welche Schwerpunkte möchtest du noch setzen?
Als Bürgermeister würde ich auch die Verantwortung für Personal und Organisation in der Stadtverwaltung tragen. Die demografische Entwicklung und der Wettbewerb um gute Fachkräfte macht vor der Verwaltung nicht halt und verlangt nach Antworten. Aktive Personalentwicklung, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, aber auch neue Formen der Arbeitsorganisation und neue Kommunikationsformen sind für mich nur einige Stichworte. Nicht zuletzt sehe ich auch im Management der städtischen Beteiligungen einen wichtigen Hebel, um künftige Entwicklungen in der Stadt aktiv mitgestalten zu können.

Gib uns bitte noch einen Einblick hinter die Kulissen: es wird ja kein "normaler" Wahlkampf. Worauf wird es ankommen und wie willst du überzeugen?
Ich werde bei den Stadträten und Fraktionen um Vertrauen und Unterstützung werben. Mit meiner Kompetenz, beruflichen Erfahrung aber auch als Mensch. Ich traue mir das Amt zu und habe einen pragmatischen, auf Lösungen ausgerichteten Arbeitsstil. Zudem will ich die Stadträte in wichtige haushaltspolitische Entscheidungen stärker einbinden. Das erhöht Transparenz und Akzeptanz. Ich würde mich freuen, wenn dies in Summe möglichst viele überzeugt.

Danke Sven und viel Erfolg!

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