Donnerstag, 12. November 2015

Kommentar: Gleiche Stelle, gleiche Welle

Für Sachsen war der Aufschrei überraschend laut und medial wahrnehmbar. Jedoch hat auch der letzte Protest nicht geholfen um dieses makabere Szenario zu unterbinden. PEGIDA durfte am 9.11.2015 gewohnt rassistisch spazieren gehen. Was 1938 auf dem damaligen Adolf Hitler Platz dazu führte, das sich um ihren Besitz betrogen fühlende Deutsche ungehindert Synagogen und jüdische Geschäfte abbrennen durften, wiederholte sich am 77. Jahrestag in Form einer PEGIDA Demo, an deren Ende Katharina Festerling das Ende der moralischen Verantwortung der Deutschen am 2. Weltkrieg verkündete.

Auch eine Petition auf Change.org die zuletzt 92.676 Unterstützer_innen fand (Stand 09.11. 17:00) konnte das nicht verhindern. Oft haben sich unsere Blogeinträge zuletzt um PEGIDA gedreht. Aber dieses Beispiel beweist auf ein Neues welches Geschichtsverständnis die zuständigen Behörden an dieser Stelle vermissen lassen. Es steht sinnbildlich für den Blick der Sachsen auf die Gegenwärtigen Ereignisse. Nicht alle Sachsen schließen sich PEGIDA an, nicht alle teilen die Auffassung, wir befänden uns in einem Kulturkampf oder geflüchtete würden uns eine Epidemie einschleppen. Doch die wenigsten distanzieren sich von diesen Kundgebungen. Jetzt wo es darauf ankommt, stehlen sich die Entscheidungsträger aus der Verantwortung.

Halbherzig „Leben und leben lassen“ zu propagieren, ist hier die falsche Herangehensweise. PEGIDA ist ein Problem, geschaffen von Menschen deren Weltauffassung nicht nur die Demokratie bedroht. Sachsen muss endlich beginnen couragiert Kante zu zeigen und PEGIDA nicht mehr einfach laufen zu lassen. Sonst beginnt langsam ein Säxit der mentalen Natur. Dass dieser sich anbahnen könnte können diejenigen nachvollziehen, die Menschen aus dem Rest Deutschlands, von ihrer sächsischen Herkunft erzählen.

Wir dürfen nicht vergessen: Diese Menschen sind weit davon entfernt irgendeine Mehrheit oder gar Minderheit zu repräsentieren, deren Sorgen man im Kern tatsächlich ernst nehmen muss. Auch bei mir hat niemand vom Staat geklingelt, um mich über die Flüchtlingskrise zu informieren und trotzdem bin ich nie zu PEGIDA Demos gegangen. Am Ende des Tages muss jede_r sich selbst informieren können, muss selbst den Mut aufbringen auf Menschen zuzugehen. Ich glaube, dass die wenigsten PEGIDA Teilnehmer_innen sich eines besseren belehren lassen wollen. Vielmehr ist es eine Plattform ausreichender Größe um mal schön Frust abzulassen, über korrupte Politiker, Salafisten und stumpfe Leitkulturen. Wenn die Mehrheit der Sachsen sich nicht aktiv gegen PEGIDA stellt, dann Frage ich mich, worauf sie, worauf wir, 26 Jahre nach dem Mauerfall noch stolz sein wollen.


Lukas Petersohn

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen