Donnerstag, 17. Dezember 2015

Die Akte Gabriel: Butter bei die Fische

Eines Vorweg: Ich hätte auch mit Nein gestimmt, wenn ich Delegierter auf dem Bundesparteitag gewesen wäre. Nein zu Sigmar Gabriel. Das ist im übrigen - allen Misepetern, die jetzt wieder anfangen zu erzählen, wir würden uns selbst zerfleischen, zum Trotz - mein gutes Recht. Und dennoch respektiere ich Siggis trotzige Reaktion.

Aber zurück zu erstens: Ein 'Nein' setzt kein 'Denn das ist mein viel besserer Plan über den ihr hier alternativ abstimmen könnt' voraus. Es ist legitim keine bessere Antwort zu haben. Man kann sich seinen Wunschkandidaten nicht aus dem Hut zaubern und selbst wenn man einen hat, dann müsste der- oder diejenige sich auch noch dazu bereit erklären zu kandidieren. Mein Gott, was wären das für Schlagzeilen gewesen, wenn es tatsächlich eine zweite Kandidatur, eine echte Wahl gegeben hätte. Da wäre die SPD 'IM FLÜGELKAMPF ZEBROCHEN' (BILD) oder es wäre behauptet worden, es gäbe eine 'OFFENE REBELLION GEGEN DIE EIGENEN MANDATSTRÄGER' (Morgenpost). Ich frage mich, wer von den Misepetern diese konsequente Form der Ablehnung wirklich besser gefunden hätte! Nein, Alternativlosigkeit verpflichtet nicht dazu sich über etwas zu freuen, was man hat!

Es gibt gute Gründe damit nicht zufrieden zu sein. Angefangen von den dämlichen Zwischenrufen, die schon unseren letzten Kanzlerkandidaten in Bedrängnis gebracht haben, bis hin zu TTIP und Siggis Rolle als Staatstragender Vizekanzler. Vielleicht ist es einfach nicht klug, dass der Parteivorsitzende gleichzeitig Minister in einer GroKo und damit der Realpolitik verpflichtet ist. Das sozialdemokratische Herz geht einem dabei zumindest nicht gerade auf. 

Nun zu zweitens: Ich respektiere den Trotz mit dem Siggi sein Ergebnis hingenommen hat. Denn eines dürfen wir nicht vergessen: Politiker*innen sind in unserer repräsentativen Demokratie allein ihren Idealen und dem Gewissen verpflichtet. Was sonst stellen wir zur Wahl, als unsere Ideen und Gedanken? Und was wollen wir dafür erwarten? Uneingeschränkte Zustimmung? Das wäre Eitel! Wenn Siggi in den Spiegel sehen kann und sich nichts vorzuwerfen hat, dann sollten ihm 74% Zustimmung ausreichen. Und uns auch (auch wir, die Siggi nicht gewählt haben / hätten). Schließlich definiert sich Sozialdemokratie noch über so viel mehr, als einen Vorsitzenden.


Tim Jungmittag

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