Mittwoch, 13. Januar 2016

Kommentar: Der Missbrauch von Köln

Die Silvesternacht von Köln befeuert mit ihren Taten eine Diskussion die zu den wichtigsten in unserer Gesellschaft gehört und doch eigentlich im 21. Jahrhundert nicht mehr notwendig sein sollte. Die Vollständige Gleichstellung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen ist eine Frage der Vernunft und wird zu einem Spiegel für die Fortschrittlichkeit. Dass sich die Medien ungewöhnlich oft an jener Nacht in Köln und der Frage der Rolle der Frau in der Gesellschaft die Finger verbrennen, beweist, wie ernst das Thema in Deutschland geworden ist. Es zeigt aber auch ein steigendes Selbstbewusstsein, Sexismus offen zu benennen. Eine Entwicklung, die Mut macht. 

Nach einer Nacht, wie sie sich in Köln vor dem Hauptbahnhof zugetragen hat, bleiben viele Menschen schockiert zurück. Viele Fragen sind ungeklärt, die Suche nach Antworten ist absolut legitim, ohne Zweifel. Für einige Menschen in Deutschland scheint die Antwort darin zu liegen, die Religion des Islam für das Vergehen an Frauen verantwortlich zu machen. Ich habe mit zynischem Lächeln verfolgt, wie viele verschiedene Menschen aus dem politischen Alltag auf einmal den Feminismus für sich entdeckt haben. Frauke Petry oder Erika Steinbach zum Beispiel. Aber auch Kristina Schröder, die in ihrem Buch “Danke, emanzipiert sind wir selber!” noch sagte, dass Feministinnen immerzu “das wehleidige Lied weiblicher Diskriminierung" singen würden, und sie sich davon bedrängt fühle. Wir dürfen uns von den Ewiggestrigen nicht blenden lassen, die aus Opportunismus auf den Zug aufgesprungen sind. Die feministische Idee beruht auf Werten, wie Emanzipation und Chancengleichheit. Werte, die diese Menschen nicht vertreten. 

Missbrauch lässt sich nicht nach Hautfarben und Religionen kategorisieren. In einer repräsentativen Studie aus 2004 geben 13 % der Frauen an nach ihrem 16. Geburtstag mindestens einmal sexuelle Gewalt erlebt zu haben. Das sind mehr als 5 Mio. Frauen in Deutschland. All diese Männer, die sexuelle Gewalt gegen Frauen ausüben haben eines gemeinsam: sie sind und bleiben Arschlöcher. Die Opfer aus Köln jetzt für Überfremdungsphantasien zu instrumentalisieren und die Gründe in anderen Kulturen und Religionen zu suchen ist abstoßend, ganz typisch für Pegida und AfD. Vielmehr stellen sich die Fragen warum es im 21. Jahrhundert immernoch so viel sexuelle Gewalt gegen Frauen gibt und warum diese sich wehren müssen, um auch juristisch von einer Vergewaltigung sprechen zu können. Warum gibt es so viele Männer, die ein einfaches Nein einer Frau nicht akzeptieren können?


Lukas Petersohn

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