Donnerstag, 17. März 2016

Kommentar: Auf dem Abstellgleis

Der Bundesverkehrswegeplan ist ein Planungsinstrument: er sagt, welche Bahnstrecken, Straßen und Wasserwege der Bund priorisiert und dementsprechend fördert. Der Entwurf für das Papier ist am 16.03.2016 vorgestellt worden und bildet die Grundlage für 15 Jahre (!!!) Infrastruktur-Politik. Für Chemnitz gibt es gute und schlechte Nachrichten.

Pädagogisch wertvoll ist es, mit dem Negativen anzufangen und dann die positiven Aspekte zu betrachten. So geht man mit einem guten Gefühl aus einem Gespräch. Ich bin kein Pädagoge und habe darüberhinaus wenig Motivation, das Verkehrsministerium mit einem Schulterklopfer zu entlassen...

Das Gute: der Südring wird weiter gebaut. Der Südring, der schon wesentlich weiter hätte sein können, wenn die Planungsunterlagen nicht in Dresden verschlampt worden wären. Daraufhin mussten die Unterlagen aktualisiert werden. Statt 2011 jetzt also vermutlich 2019. 

Und ein Wunder: vermutlich werden bis 2030 wieder Intercitys in Chemnitz halten. Sie werden zwar nicht dorthin fahren, wo die Chemnitzer so gerne hinwollen, nämlich nach Leipzig und von dort ohne Umsteigen weiter in den gelobten Westen. Aber dann fahren wir einfach nach Hof. 

Denn das ist die eigentliche Krux: Die Zugverbindung, die Chemnitz tatsächlich brauchen würde, wird es auch in 15 Jahren noch nicht geben. Pikantes Detail: da die Strecke nach Leipzig nicht teilweise zweigleisig ausgebaut und komplett elektrifiziert wird, werden wir auch noch recht lange in den Genuss der heiß geliebten Reichsbahnwaggons kommen. Wenn das nicht doch noch was gutes hat.

Chemnitz bleibt also Autostadt. Aus Mangel an Alternativen. Und trotz der Tatsache, dass wir bis heute auf die für 2006 geplante Fertigstellung der Autobahn nach Leipzig warten. Die Deutsche Bahn hat Chemnitz im Großen und Ganzen abgeschrieben, reißt aber vorsichtshalber noch das Chemnitztal-Viadukt ab, das sie Jahrelang verfallen lassen hat, um stattdessen eine Brücke zu bauen, über die auch Schnellzüge mit einer Geschwindigkeit fahren könnten, die innerstädtisch nicht gefahren werden darf. Wenn das nicht Ironie ist, dann weiß ich auch nicht.


Tim Jungmittag

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