Samstag, 9. April 2016

Kommentar: Drama, Baby!

Das Chemnitzer Theater ist ein Zuschussgeschäft, dass seinesgleichen sucht. Zumindest in der Stadt. Seit dem Beschluss zum Stadionbau geht immer wieder das geflügelte Wort: "Wir bauen jährlich ein Stadion am Theaterplatz". Von solchen Dimensionen reden wir. Kultur hat ihren Preis. Das ist eben so. Und das finde ich okay. Damit dieser aber nicht noch weiter steigt, sollte der Intendant der Chemnitzer Theater, Christoph Dietrich, ein vertrauliches Konzept vorlegen. Mit der Vertraulichkeit klappte das allerdings so gut, wie bei den Panama Papers. Nachzulesen sind die Grundzüge in der Freien Presse vom 5. April 2016

Aufgezeigt werden in dem Konzept drei Szenarien:
  1. Ein Solidarischer Gehaltsverzicht der Mitarbeiter wird genutzt, um neue Werkstätten, Lager und Probebühnen am Theaterplatz zu bauen. Mit Geld aus dem städtischen Haushalt wird ein neues Theater gebaut. Ein neues Kultur-Quartier entsteht. 
  2. Der Haustarifvertrag wird verlängert. Alles bleibt, wie es ist. 
  3. Spartenschließungen führen zu Kostenreduktion. Konkrete Streichkandidaten sind Ballett, das Schauspiel und eine Verkleinerung der Philharmonie steht auch zur Option.
Was will uns der Künstler damit sagen? Dass sich Option 2 den Mitarbeitern vermitteln ließe, gilt als unwahrscheinlich. Option 3 zu vermeiden war das Ansinnen bei der Vergabe des Auftrages zur Erstellung eines Konzepts. Die Nennung der Schauspielsparte allein reicht schon aus, um Entsetzen zu erzeugen: Chemnitz ohne Schauspielhaus. Das ist wie Panama ohne Papers. Ein Ort, den kaum jemand auf der Karte findet. Vielleicht ein bisschen Zugespitzt.

Was bleibt ist eine Option, die die Sparvorgaben ad absurdum führt. Wir lösen einen Haustarifvertrag durch eine andere Form des Gehaltsverzichts ab und investieren noch wesentlich mehr städtisches Geld ohne die Aussicht einer realistischen (finanziellen) Rendite. 

Objektiv lässt sich sagen: Ziel verfehlt. Aber mit System. Das Konzept zeichnet eine Perspektive, die den geneigten Zuschauer für den Protagonisten hoffen lässt. Am Ende muss doch alles gut werden. Es muss doch alles klappen. Und wenn einem die Lösung schon so über die Presse lanciert vorgelegt wird... Die Stimmung für einen Neubau könnte nicht besser sein. 

Es fällt mir schwer das zu sagen, aber ich sehe die Sache, wie Ralph Burghart: das Konzept lässt ernsthafte Alternativen vermissen. Vielleicht, das will ich mutmaßen, sogar aus Prinzip. Denn was wäre das für eine unspektakuläre Lösung, wenn wir das Schauspielhaus einfach sanieren würden und an anderer Stelle eine zu hohe Miete sparen. 


Tim Jungmittag

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