Samstag, 30. Juli 2016

Still feeling the Bern: Danke Bernie Sanders!

Wer die Belange der amerikanischen Politik der letzten Jahre etwas verfolgt hat,weiß, dass besonders Wahlkampf in den USA einen ganz besonderen gesellschaftlichen Stellenwert besitzt. Das fällt besonders dann auf, wenn man den direkten Vergleich mit Europa sucht, wo man Wahlkampf häufig ein bisschen als (notwendiges) Übel begreift.

In den USA ist Wahlkampf gerne mal wie eine Mischung aus Wetten, dass..? und einer runden Geburtstagsfeier von Oma. Alle lächeln sich an, sprechen über im Vorfeld abgesprochene Dinge, die keinem so richtig wehtun, jeder tut so, als ob er wahnsinnig viel Spaß hätte, obwohl er am liebsten gleich wieder gehen würde und alles ist auf eine Person zugeschnitten. Und das ist natürlich absichtlich so. Solche Termine existieren, um eine Person ins richtige Licht zu rücken, zu demonstrieren, wie “amerikanisch” sie doch ist. Dafür ist häufig auch kein Geld zu schade. Jeder Eyecatcher, der die  Person im Mittelpunkt noch eindrucksvoller in Szene sezten kann, wird mitgenommen. Leider sind dafür nur die wenigsten Geldquellen zu unmoralisch.

Das Theater ist selbstverständlich im Grunde bloß kühle Strategie, denn Wahlen sind in den USA immer Personenwahlen, da inhaltliche Fronten  zwischen den Republikanern und den Demokraten häufig im Vorfeld schon geklärt sind, weswegen das Ansehen eines Kandidaten in der Bevölkerung nicht selten Wahlentscheidend sein kann.

Doch diese Tradition erlebte in diesem Jahr einen erfreulichen Bruch. Bernie Sanders, der sich als Demokrat für das Amt des Präsidenten beworben hatte, schnitt seinen Wahlkampf nicht auf sich, sondern auf die Zukunft der amerikanischen Jugend zu. Bernie ist in den USA kein unbeschriebenes Blatt: Im Alter von 40 Jahren wurde Bernie Bürgermeister der Stadt Burlington. Wegen seiner erfolgreichen Politik, besonders in der Bekämpfung von Armut, wurde er von der New York Times zu einem der 20 besten Bürgermeister der USA gekührt. 1990 wurde Bernie zum ersten mal  Mitglied des Repräsentantenhauses, 2003 stimmte er als einer der Wenigen gegen die Invasion der US Truppen im Irak.

Und so vertrat Bernie Sanders  in seiner Wahlkampftour um das Weiße Haus, die er ausschließlich durch Kleinspenden finanzierte, die Vision eines kostenlosen Bildungs- und Gesundheitsythems, finanziert auch durch Einsparungen im Militär. Er wollte Fraking verbieten, die gleichgeschlechtliche Ehe in die Verfassung einbringen, den Mindeslohn enorm anheben, das Einwanderungrecht reformieren, um 12 Millionen Menschen in den USA eine neue Perspektive zu bieten.

Deswegen wurde Bernie für seinen authentischen Kampf für ein sozialeres, gerechteres Amerika auf seinem Weg durch das Land bejubelt. Zehntausende Menschen kamen zu seinen Wahlkampfauftritten und feierten ihn und seine Idee einer politischen Revolution.  

Auch wenn Bernie mutig bis zur letzten Sekunde gekämpft hat, gereicht hat es für seine Kandidatur leider nicht. Aber auch wenn Bernie vielleicht nicht das ganz große Wunder vollbracht hat, so hat er doch Millionen von amerikanischen Jugendlichen bewiesen, dass man nie zu Alt ist, um an eine bessere Zukunft zu glauben, und für diese einzustehen.

Vielen Dank, Bernie!

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