Freitag, 7. Oktober 2016

Corbin - The Saga Continues



Jeremy Corbin ist immernoch da. By public demand - wegen großer Nachfrage. Denn die einfachen Mitglieder lieben ihn. Mehr als 100.000 (in Worten: Einhundert-fucking-tausend!!!!) neue Mitglieder sind seit seinem Amtsantritt als Labour Parteichef im September 2015 in die Partei eingetreten. Dabei gab es namhafte Versuche den Sozialisten erst zu verhindern, dann zu stürzen.

Als Labour im Mai 2015 die Wahlen verlor (trotz 1,5% mehr Stimmen verlor die Fraktion 26 Sitze im Parlament “dank” des britischen Wahlsystems) entstand plötzlich ein Vakuum an der Parteispitze. Ed Miliband hatte die Konsequenzen aus der Niederlage gezogen und war mit seinem Schiff untergegangen. Wie sich das für einen richtigen Kapitän gehört. Zur Wahl trat auch der Sozialist Corbin an. Englands Ex-Prime Minister (PM) rief zur Blutgrätsche auf: Labour stehe vor der Vernichtung, wenn dieser linke Schlafwandler gewinne. Er gewann. Mit den bekannten Folgen (siehe Einhundert-fucking-tausend neue Mitglieder!!!!).
Führende Mitglieder der Labour-Partei und -Fraktion haben Corbin seitdem immer wieder die Gefolgschaft versagt, zuletzt, als ihm im Nachgang des Brexit Referendums vorgeworfen wurde, sich nicht genug für den Verbleib des United Kingdom in der EU engagiert zu haben.
Doch der Labour-Vorsitzende weiß um seine Popularität unter den einfachen Mitgliedern und wie er diese zu seinen Gunsten einsetzen kann: unlängst erklärte er (natürlich vollkommen idealistisch und uneigennützig), die Hinterzimmerpolitik müsse ein Ende finden, parteiinterne Abstimmungen müssten basisdemokratisch stattfinden. Das New Labour-Establishment, welches noch aus Blair-Zeiten stammt hat vorerst abgegessen.

Zwar stimmten bei seiner Wiederwahl im September 2016 nur 61,8% aller Mitglieder und registrierter Unterstützer für Corbin, was auf die tiefen Gräben in der Partei hindeutet. Dennoch zeigen die erneut bestätigten Verhältnisse erste Wirkung: die Widersacher sind leiser geworden und haben sich in Teilen bereit erklärt, den Sozialisten bei seiner Oppositionsführung zu unterstützen. Labour könnte diesen Neuanfang gut gebrauchen.

Und Corbin? Es gibt trotz Allem keinen Grund für Überschwänglichkeit! Der neue alte Parteichef stilisiert sich als Hoffnungsfigur der einfachen Menschen, indem er ihre Fragen aufnimmt und die Regierung damit konfrontiert. Seine Rolle im Brexit-Referendum und der bewusste Einsatz seiner Popularität zur Machterhaltung wecken aber Zweifel: Ist sein Handeln immer nur von guten Vorsätzen geleitet, oder ist Corbin nicht auch nur ein Polit-Stratege und ein Stück weit Opportunist? Only time will tell. 

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